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Online-Zugang zu Dokumenten aus über 1000 Jahren Zürcher Geschichte
Öffentlich zugänglich war das Staatsarchiv des Kantons Zürich schon immer. Aber so öffentlich wie heute war es noch nie: Nach mehrjährigen Vorarbeiten hat das Staatsarchiv seine Datenbank mit den Archivverzeichnissen nun ins Internet gestellt. Wer Originale sehen will, muss zwar immer noch nach Zürich reisen, aber stöbern im reichen Fundus kann man nun auch am Computer zu Hause. Neben den Verzeichnissen seiner Bestände stellt das Staatsarchiv auch besonders wichtige Dokumente wie Regierungsratsprotokolle oder die historischen Karten ins Netz.

Man muss kein Wissenschaftler sein, um im Staatsarchiv auf Interessantes zu stossen. Zum Beispiel darauf, dass es 1848 ein Projekt gab für ein Bundeshaus in der Nähe des heutigen Bürkliplatzes gab. Oder wie es 1799 um das Schulwesen im helvetischen Distrikt Bülach stand. Ein Blick ins Archiv zeigt auch, wie die Herren aus der Stadt im 16. Jahrhundert mit den Untertanen in der Herrschaft Greifensee umgesprungen sind. Wer weiss schon, wie das Staatssiegel, mit dem Zürich im 14. Jahrhundert seine Urkunden gesiegelt hat, genau aussieht? Oder die hochmittelalterlichen Zürcher Kaiser-, Königs- und Papsturkunden?

Seit bald 175 Jahren macht der Kanton Zürich die eigenen Akten und diejenigen seiner Rechtsvorgänger im Staatsarchiv öffentlich zugänglich. Früher im Fraumünster, im Obmannamt, im Predigerchor, und seit 1982 im Irchelpark. Besuchern wurden bisher die Verzeichnisse der frei zugänglichen Akten vorgelegt. Wer auf diese Weise ein Original fand, das er sich anschauen wollte, konnte es sich in den Lesesaal bestellen.

Neu sind Recherchen nach Akten des Staatsarchivs über eine Online-Datenbank möglich. Die Öffentlichkeit kann sich nun also bequem von zuhause aus darüber ins Bild setzen, welche Unterlagen sich im Staatsarchiv befinden.

Kantonsratsprotokolle und Regierungsratsbeschlüsse online

Bestimmte Aktenserien sind für die Geschichte des Kantons Zürich von zentraler Bedeutung. Dazu gehören die Protokolle des Kantonsrats und die Beschlüsse der Regierung. Beide Serien gibt es seit 1803. Nur: Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Bücher von den Staatsschreibern und ihren Gehilfen von Hand geschrieben – und zwar in alter deutscher Schrift. Faktisch können die Bände heute also nur noch von wenigen Spezialisten gelesen werden.

Seit dem letzten Jahr ist das Staatsarchiv mit Geldern aus dem Lotteriefonds daran, dies zu ändern: Teilzeitkräfte, darunter viele Studierende, übertragen die rund 200‘000 Protokollseiten in Word-Dokumente. Die Originaltexte werden ab Mikrofilm digitalisiert. Und alle Beschlüsse werden als Bilder und Texte sukzessive ins Internet gestellt. Im Lauf der nächsten Jahre werden sie damit online recherchierbar – und wieder lesbar auch für Leute, die die alte Schrift nicht mehr beherrschen.

Wer also in Zukunft zum Beispiel die Begriffe «Wasserversorgung» und «Sternenberg» in die Suchmaske des Staatsarchivs eintippt, findet nicht nur alle Verzeichniseinträge, die diese Begriffe enthalten, sondern gleich auch noch die Regierungsratsbeschlüsse, in denen die beiden Wörter vorkommen. Das Staatsarchiv ist überzeugt, dass es mit diesem Angebot seinen Auftrag, ein «öffentliches» Archiv zu sein, noch besser erfüllen kann als bisher.

Farbige Prachtstücke: historische Karten und Pläne

Neben den zentralen Aktenserien verwahrt das Staatsarchiv auch Schätze, die nur schon zum Anschauen eine wahre Freude sind. Prächtige Urkunden gehören dazu oder sorgfältig gestaltete Güterverzeichnisse. Zu den schönsten und informativsten Unterlagen gehören aber auf jeden Fall die historischen Karten und Pläne. Rund 25‘000 historische Pläne aus den letzten 400 Jahren umfasst die Sammlung des Staatsarchivs. Diese Sammlung wird zurzeit neu erschlossen, restauriert, verfilmt und digitalisiert. Die digitalen Bilder können ebenfalls über die neue Website des Staatsarchivs angeschaut werden. Häuser, Flüsse, Strassen, Grundstücke – dann, wenn etwas gebaut, verändert, rechtlich festgeschrieben wurde, war oft ein Plan das beste Hilfsmittel, um die nötigen Informationen festzuhalten. Und heute liefern die empfindlichen, grossen Stücke Informationen über alte Ortsbilder, abgebrochene Bauten, frühere Besitzverhältnisse oder den Verlauf längst korrigierter Bäche. Oder auch über das, was gar nie realisiert wurde: Wie sollte das Schweizerische Bundesgebäude in Zürich aussehen, für das Ferdinand Stadler 1848 einen Projektvorschlag machte, inklusive aquarellierte Idylle mit Trachtenfrau und -kind und Blick gegen See und Alpen? – Die Pläne im Staatsarchiv zeigen es. Online www.staatsarchiv.zh.ch
Datei : Hintergrund.pdf Grösse: 341 KB Hintergrundinformationen (341 KB)
Datei : RRB_1831_Ansicht1.pdf Grösse: 4743 KB Regierungsratsbeschluss Nr. 246 vom 1. April 1831 im Originaltext - Ansicht 1 (4743 KB)
Datei : RRB_1831_Ansicht2.pdf Grösse: 5278 KB Regierungsratsbeschluss Nr. 246 vom 1. April 1831 im Originaltext - Ansicht 2 (5278 KB)
Datei : RRB 1831_Transkript.pdf Grösse: 86 KB Regierungsratsbeschluss Nr. 246 vom 1. April 1831 als Transkript (86 KB)
Seit neustem sind Bilder wie dieses online beim Staatsarchiv einsehbar: Das idyllische Aquarell von Jakob Suter zeigt ein Stück ungebautes Zürich: Ferdinand Stadler machte 1848 einen Projektvorschlag für ein Bundesgebäude im Baugarten, also in der Gegend des heutigen Bürkliplatzes. Das Aquarell hatte die gleiche Funktion wie eine Computer-Animation in einem heutigen Wettbewerb – und war offensichtlich, bei aller Schönheit, doch nicht beeindruckend genug, um das Bundeshaus nach Zürich zu holen. (© Staatsarchiv des Kantons Zürich)
Datei : PlanD229-9.jpg Grösse: 4129 KB Bild in höherer Auflösung (4129 KB)
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(Medienmitteilung der Direktion der Justiz und des Innern vom 5.1.2010)
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